Perspektiven

Governance beschleunigt — wenn sie richtig gebaut ist

Lektion aus 25 Jahren | Entscheidungsbefugnis statt Zustimmungserfordernis

Wenn man „Governance“ sagt, denken die meisten an Bürokratie. An Gremien, die Entscheidungen verzögern. An Freigabeprozesse, die niemand versteht. An Meetings, in denen nichts entschieden wird. Das ist nicht falsch — schlechte Governance ist genau das.

Aber gute Governance beschleunigt Programme. Sie verlangsamt sie nicht.

Der entscheidende Unterschied: Gute Governance definiert nicht, wer zustimmen muss. Sie definiert, wer entscheiden darf.

Bei BITMARCK gab es einen strategischen Richtungskonflikt zwischen zwei Führungskräften. Schlechte Governance: warten, bis sich beide Seiten einigen. Das hätte Monate gedauert — oder nie passiert. Stattdessen haben wir eine Entscheidung auf Vorstandsebene herbeigeführt. Innerhalb von zwei Monaten nach dieser Entscheidung war das Programm marktfähig.

Bei Signal Iduna haben wir Datenschutz, Compliance, IT-Sicherheit und Betriebsrat von Anfang an als aktive Stakeholder mit klaren Rollen eingebaut — nicht als Genehmigungsinstanzen. Ergebnis: kein einziger Eskalationsfall, null Verzögerungen aus Compliance-Gründen.

Die drei Prinzipien, die ich immer anwende:

  1. Definiere Entscheidungsbefugnis, nicht Zustimmungserfordernis. Jede Entscheidung braucht einen Entscheider — keinen Konsens.
  2. Baue Eskalationsmechaniken, die außerhalb der regulären Gremien funktionieren. Wenn etwas dringend ist, darf es nicht drei Wochen warten.
  3. Mache Governance transparent. Jeder muss wissen: Wer entscheidet was, bis wann, mit welchem Mandat.

Wie ist Governance in Ihrem aktuellen Programm aufgebaut — beschleunigt sie oder bremst sie?

Vertiefung: Governance, die auf Konsens statt auf klaren Entscheidungsbefugnissen aufbaut, produziert genau die Verzögerungen, die man ihr vorwirft. Wer Rollen, Mandate und Eskalationswege von Anfang an transparent macht, verwandelt Governance vom Bremsklotz zum Beschleuniger — das gilt besonders für regulierte Cloud- und IT-Programme, in denen viele Stakeholder mitzureden haben. Wenn Sie diese Dynamik aus Ihrem eigenen Haus kennen, lesen Sie mehr zu Compliance-sichere Cloud-Transformation & Regulatory Governance.

Über den Autor

Rainer Hiller ist freiberuflicher Interim Manager und Berater für Programmsteuerung, IT-Transformation und Governance. Über 25 Jahre Erfahrung in komplexen Transformationsprogrammen.