Perspektiven

Die KI, die niemand nutzt

Aus der Praxis | Workflow-Integration als Schlüssel zur Adoption

Ein CIO, mit dem ich gesprochen habe, hat vor sechs Monaten ein KI-gestütztes Tool zur Dokumentenanalyse eingeführt. Technisch perfekt. Genauigkeit über 90 %. Kostenersparnis auf dem Papier: erheblich. Tatsächliche Nutzung: unter 15 %.

Warum? Weil das Tool nicht dort ist, wo die Arbeit stattfindet. Um es zu nutzen, müssen Mitarbeiter sechs zusätzliche Schritte durchführen — für etwas, das sie vorher in einem Schritt gemacht haben.

Menschen optimieren ihren Workflow instinktiv auf Einfachheit, nicht auf Perfektion. Ein Prozess mit sechs Schritten wird nicht genutzt — egal wie gut das Ergebnis ist. Das ist keine Faulheit. Das ist Rationalität.

Die erfolgreichsten KI-Implementierungen, die ich gesehen habe, hatten alle eines gemeinsam: Die KI war dort, wo die Arbeit bereits stattfand — nicht als separates Tool, nicht als Zusätzschritt, sondern als nahtlose Erweiterung des bestehenden Workflows.

Beispiel: Ein Unternehmen integrierte KI in das E-Mail-System — kein separates Tool, kein Extra-Login, kein Medienbruch. Adoption: über 70 % in drei Monaten.

Technologie muss sich an den Workflow anpassen, nicht umgekehrt.

Wie viele Klicks braucht es in Ihrem Unternehmen, um das KI-Tool tatsächlich zu nutzen?

Vertiefung: Adoptionsraten hängen selten an der Qualität der Technologie, sondern an der Zahl der zusätzlichen Schritte, die sie den Nutzern abverlangt. Wer KI dort platziert, wo die Arbeit ohnehin stattfindet, statt ein separates Tool zu verlangen, gewinnt Nutzer fast automatisch. Wenn Sie diese Herausforderung aus Ihrem eigenen Haus kennen, lesen Sie mehr zu Strategische Technologie-Adoption (Cloud, M365, KI).

Über den Autor

Rainer Hiller ist freiberuflicher Interim Manager und Berater für Programmsteuerung, IT-Transformation und Governance. Über 25 Jahre Erfahrung in komplexen Transformationsprogrammen.