Perspektiven

Compliance ist kein Bremsklotz

„Das klären wir mit dem Betriebsrat, wenn es so weit ist.“ Dieser Satz hat mir in einem Programm fast sechs Monate Verzögerung eingebracht. Nicht weil der Betriebsrat schwierig war — sondern weil er erst eingebunden wurde, als alle anderen Entscheidungen bereits getroffen waren.

Bei Signal Iduna war die Ausgangslage komplex: konzernweite Cloud-Transformation, strenge Anforderungen der Versicherungsaufsicht, DSGVO, Mitbestimmungsrechte des Gesamtbetriebsrats — alles gleichzeitig.

Der Unterschied zu anderen Programmen: Wir haben Datenschutz, Compliance, IT-Sicherheit und Betriebsrat nicht nachgelagert informiert. Wir haben sie von Anfang an in die Governance-Architektur eingebaut.

Ergebnis: Vollständige Akzeptanz durch alle Kontrollinstanzen — ohne einen einzigen Eskalationsfall. Das fertige Framework dient heute als konzernweiter Blueprint für alle weiteren Cloud-Transformationen.

Compliance-Stakeholder früh einzubinden kostet zwei Wochen. Sie spät einzubinden kostet sechs Monate.

Welche Kontrollinstanz in Ihrem laufenden Programm ist noch nicht aktiv eingebunden?

Vertiefung: Späte Einbindung von Kontrollinstanzen ist selten ein Kommunikationsproblem, sondern ein Governance-Design-Fehler: Wenn Datenschutz, Compliance und Betriebsrat erst nach den zentralen Entscheidungen informiert werden, wird aus einer Formalität zwangsläufig ein Nachverhandlungsprozess. Wer diese Stakeholder von Beginn an in die Programm-Governance einbindet, gewinnt Tempo statt es zu verlieren. Wenn Sie diese Dynamik aus Ihrem eigenen Haus kennen, lesen Sie mehr zu Compliance-sichere Cloud-Transformation & Regulatory Governance.

Über den Autor

Rainer Hiller ist freiberuflicher Interim Manager und Berater für Programmsteuerung, IT-Transformation und Governance. Über 25 Jahre Erfahrung in komplexen Transformationsprogrammen.