Ich spreche immer zuerst mit dem Betriebsrat

Lektion aus 25 Jahren | Mitbestimmung als Erfolgsfaktor

Bevor ich die erste Folie für den Vorstand erstelle, spreche ich mit dem Betriebsrat. Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht.

Die meisten Programme laufen so: Konzept entwickeln, Freigabe vom Management, Umsetzung starten — und dann, irgendwann im Rollout, taucht der Betriebsrat auf und sagt: „Das müssen wir anders machen.“ Dann beginnt die Nachverhandlung. Unter Zeitdruck. Mit fertigen Strukturen. Mit Eskalation.

Ich mache es anders. Ich gehe zum Betriebsrat, bevor irgendetwas entschieden ist. Und ich stelle drei Fragen:

  1. „Was sind Ihre größten Bedenken bei so einem Programm?“
  2. „Welche roten Linien gibt es, die wir nicht überschreiten dürfen?“
  3. „Was würde Ihnen helfen, das Programm mitzutragen?“


Die Antworten verändern das Programm. Immer. Manchmal sind es Kleinigkeiten. Manchmal sind es grundlegende Weichenstellungen.

Bei Signal Iduna war der Betriebsrat von Tag 1 in die Governance-Architektur eingebunden. Ergebnis: vollständige Akzeptanz ohne einen einzigen Eskalationsfall. Bei der Deutschen Bahn haben wir den Datenschutzbeauftragten und den Betriebsrat frühzeitig eingeholt. Das hat die Cloud-Migration von Anfang an mitbestimmungskonform gemacht.

Der Betriebsrat ist keine Hürde, die man überwinden muss. Er ist eine Informationsquelle, die einem sagt, was wirklich funktionieren wird.

Wie früh binden Sie Arbeitnehmervertretungen in Ihre Programme ein — und wie hat das den Erfolg beeinflusst?