Lektion aus 25 Jahren | Warum Change spätestens drei Monate vor dem Go-live beginnen muss
Eines der größten Missverständnisse in Transformationsprogrammen: Man denkt, Change Management beginnt, wenn das neue System live geht. Das ist falsch. Wenn das System live geht, ist es für Change Management zu spät.
In der Praxis läuft es fast immer so: Man konzentriert sich auf die technische Implementierung. Und irgendwann, kurz vor dem Go-live, sagt jemand: „Wir sollten die Leute vorbereiten.“ Dann kommen die Townhalls, die Newsletter, die Schulungen. Zu spät.
Bei EDEKA haben wir nicht gewartet, bis das System fertig war. Wir haben die Change-Organisation aufgebaut, während das System noch in der Entwicklung war. Über 100 interne Guides wurden nicht kurz vor dem Go-live geschult — sie waren von Anfang an dabei, testeten das System mit und bereiteten ihre Kollegen vor.
Ergebnis: 60 % der Supportanfragen wurden in der Fläche abgefangen — bevor sie beim Servicedesk landeten.
Bei der Deutschen Bahn haben wir ein Train-the-Trainer-Konzept entwickelt und die Lernbegleiter in den Geschäftsfeldern Monate vor dem Rollout aktiv eingebunden. Ergebnis: Akzeptanz so hoch, dass wir den Rollout um neun Monate beschleunigen konnten.
Meine Faustregel: Die Change-Organisation sollte mindestens drei Monate vor dem Go-live stehen. Wenn nicht, ist das Programm gefährdet.
Wann haben Sie in Ihrem letzten Programm mit dem Aufbau der Change-Organisation begonnen?